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Damals fand sich eine Gruppe
weitsichtiger Männer zusammen, die sich Gedanken darüber machten, wie man "die im
argen liegenden Badeverhältnisse bessern könne". Die bis dahin vorhandenen
Schwimmmöglichkeiten, die der Naturheilverein auf dem Gelände des heutigen Kurhauses
Güthenke geschaffen hatte, waren schon längst nicht mehr ausreichend.
Doch erst 1925 wurde der Verein
Parkbad Gütersloh e.V., der das spätere Bad auch bis zur Übernahme durch
die Stadt Gütersloh betrieb, gegründet. Erster Vorsitzender wurde der Fabrikant
Friedrich Wilmking. Stellvertretender Vorsitzender wurde der Unternehmer August
Barkey.
Ferner gehörten dem Vorstand die Unternehmer Eduard Wolf, Carl Miele und Heinrich Wolf,
Sparkassendirektor Schroerschwarz, Kaufmann Dr. Heinrich Voß und Kreismedizinalrat Dr.
Heinrich Güth an.
Anfang 1927 wurde dann mit den konkreten Planungen zum Bau des Parkbades begonnen und noch
im Mai desselben Jahres erfolgte der erste Spatenstich. An der Finanzierung des Parkbades
waren damals wohl alle maßgebenden Gütersloher Firmen beteiligt.
Bereits am 02. Juni 1928 fand die feierliche Eröffnung statt, zu der sich bei herrlichem
Sommerwetter 2.500 badelustige Besucher einfanden. Die Eröffnungsrede hielt der
stellvertretende Vorsitzende des Vereins Parkbad Gütersloh e.V., August
Barkey.
Grußworte sprachen ein Gesandter des Wiedenbrücker Landrats, Regierungsassessor
Großschopf, der Vorsitzende des Gaus Niedersachsen des Deutschen Schwimmverbandes Hugo
Römer und Bürgermeister Thummes, der anerkannte, dass sich freiwillig Bürger
zusammengeschlossen und aus Liebe zur engeren Heimat diese Anlage geschaffen hatten.
Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten gehörte auch ein großes Schwimmfest, an dem der
Gütersloher Schwimmverein (GSV) ebenfalls teilnahm.
Der GSV nutzte das Parkbad von Anfang an als Trainings- und Wettkampfstätte, trat aber
auch als Organisator vieler Großveranstaltungen im Parkbad auf, die tausende Besucher
anlockten.
Gespeist wurde das Schwimmbecken über eine Filteranlage mit dem Wasser aus der
unmittelbar angrenzenden Dalke.
Im Kriegssommer 1942 ging das Parkbad in den Besitz der Stadt Gütersloh über (in anderen
Quellen wird das Jahr 1946 genannt). Nach dem Ende des Krieges wurde das Parkbad von den
britischen Besatzungsstreitkräften beschlagnahmt und durfte von der Gütersloher
Bevölkerung nicht mehr benutzt werden. Am 20.06.1949 teilte die britische
Militärverwaltung mit, dass die Mitglieder der Wasser-Polo-Mannschaft des Schwimmvereins
Gütersloh das Bad zu bestimmten Zeiten nutzen können. Dem Station-Commander musste eine
Namensliste mit einer ärztlichen Bescheinigung übergeben werden, die bestätigte, dass
alle betreffenden Personen frei von ansteckenden Krankheiten sind.
Auf Drängen der Stadt Gütersloh gaben die Briten mit Schreiben vom 21.02.1950 das
Parkbad montags und dienstags für eine Benutzung durch die Gütersloher Bevölkerung
frei. Das erforderliche Personal wie Bademeister und Kassierer musste von der Stadt
Gütersloh gestellt werden. 1951 teilten die Briten auf abermalige Intervention durch die
Stadt Gütersloh mit, dass das Bad künftig an vier Tagen/Woche für die deutsche
Bevölkerung zur Verfügung stehe. Erst im Jahr 1955 wurden dann fünf Tage/Woche für den
einheimischen Badebetrieb freigegeben. Ab dem 29.05.1956 stand das Parkbad wieder
uneingeschränkt für die deutsche Bevölkerung zur Verfügung.
Das Parkbad Gütersloh erfreute sich von Anfang an großer Beliebtheit in der Gütersloher
Bevölkerung. Im warmen Sommer 1929 wurde das Freibad von über 80.000 Badegästen
besucht. Im ebenfalls warmen Sommer 1967 wurden mit 125.870 die meisten Besucher in einer
Saison in der Geschichte des Parkbades gezählt. In der letzten Badesaison 1991 kamen noch
einmal 41.191 Besucher, um sich von ihrem Parkbad zu verabschieden.
Aber bereits Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zeichnete sich der Niedergang
des Parkbades ab. Innerhalb der Bäderlandschaft Güterslohs war mit dem Hallenbad (seit
1960) und dem Nordbad (seit 1971) starke Konkurrenz gewachsen. In einem Gutachten von 1977
wurde der bauliche Zustand von Becken und Gebäude als völlig mangelhaft eingestuft. Die
Kosten für eine Sanierung wurden seinerzeit auf bis zu 8 Mio. DM geschätzt. Bei der
Stadt Gütersloh bestand jedoch keine Bereitschaft, diese Summe aufzubringen.
Während sich im Januar 1986 eine Arbeitsgruppe gründete, die sich für den Erhalt des
Parkbades einsetzte, lehnte der Sportausschuss im Rat der Stadt Gütersloh im Oktober 1986
den Erhalt des Parkbades ab.
Ende August 1991 ging dann der Badebetrieb im Parkbad nach 63 Jahren endgültig zu Ende.
Im selben Jahr begann eine heftige Kontroverse zwischen der Stadt Gütersloh und dem
Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster (heute: LWL Amt für
Denkmalpflege in Westfalen) um die Erhaltenswürdigkeit des Parkbades. Im April 1991
stellte die Fachbehörde fest: Das Parkbad mit allen baulichen und
landschaftsgestalterischen Anlagen ist denkmalwürdig. Einen Monat später lehnte
die Mehrheit im Rat der Stadt Gütersloh einen Denkmalschutz für das Parkbad dennoch ab.
Da sich beide Positionen weiterhin unversöhnlich gegenüberstanden, ordnete der damalige
Minister für Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW, Franz Kniola, am 25.03.1992 per
Erlass die Unterschutzstellung des Parkbades als Denkmal an. Mit Schreiben vom Juni 1992
an den Oberkreisdirektor des Kreises Gütersloh als obere Denkmalbehörde machte das
Ministerium die Rechtsfolgen dieses Erlasses noch einmal deutlich: Mit meinem Erlass
vom 25.03.1992 habe ich festgestellt, dass das Parkbad die Tatbestandsvoraussetzungen des
§ 2 Abs. 1 und Abs. 2 DSchG (Denkmalschutzgesetz) für ein Baudenkmal erfüllt. Gemäß
§ 3 Abs. 1 DSchG sind Denkmäler
in die Denkmalliste einzutragen.
Am 10. Juli 1992 erfolgte dann die Eintragung in die Denkmalliste durch die Stadt
Gütersloh.
Im November 1994 sprach sich der Rat dann gegen die ursprünglichen Pläne, das ehemalige
Schwimmbecken komplett zu verfüllen, aus und beschloss die Einrichtung einer
Wasserspielfläche mit Option für die Wiederaufnahme des Schwimmbetriebes.
Genau ein Jahr später begannen dann die Sanierungsarbeiten für das Parkbad. Die Kosten
der Sanierung in Höhe von rund 4,1 Mio. DM wurden zu 80% vom Land NRW getragen. Im Rahmen
dieser Arbeiten wurde nicht nur das Gebäude in den alten Farben angestrichen. Da ein
Weiterbetrieb als Freibad nicht infrage kam, wurde das Schwimmbecken soweit
aufgeschüttet, dass heute nur noch eine Wassertiefe von 10 30 cm vorhanden ist.
Am 14. November 1997, dem Tag des offenen Denkmals wurde das Parkbad erstmals
seit sechs Jahren wieder geöffnet. Im März 1998 erhielt die Arbeitslosenselbsthilfe
(ASH) einen zunächst auf zwei Jahre befristeten Pachtvertrag zum Betrieb des Parkbades.
Heute betreibt die RundUm GmbH das Parkbad.
Nach einigen Terminverschiebungen war es dann am 01. Mai 1998 soweit: Das Parkbad wurde
für alle Gütersloherinnen und Gütersloher wieder eröffnet. Ohne Eintritt bezahlen zu
müssen, können die Einrichtungen des Parkbades seitdem jährlich vom 01. Mai bis Ende
September genutzt werden.
Neben einem umfangreichen Angebot für das leibliche Wohl stehen den Besuchern
vielfältige Angebote für Freizeit und Erholung zur Verfügung. Das ehemalige
Umkleidegebäude kann darüber hinaus ganzjährig für Feiern und Veranstaltungen gebucht
werden.
Quellen:
- Stadtarchiv Gütersloh, diverse Akten
- Neue Westfälische v. 30.04.1998
- Gütersloher Beiträge, 2002 S. 1891 ff.
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